„Ich spreche kein kisuaheli“ liebe Kinder

Inzwischen sind Lena und ich nun eine Woche an der Lutheran Church in Kisumu und haben viele Eindrücke gewonnen, mal gute, mal eher enttäuschende.

Erst einmal zur Unterkunft: Die Schule liegt auf einem Gelände gegenüber von einer Müllkippe (warum auch immer!) und besteht aus mehreren Gebäuden. Da ein Teil der Kinder auch dort übernachtet gibt es neben dem Lehrerzimmerhaus, dem Klassenräumehaus, dem Essenshaus, dem Workshophaus auch noch zwei weitere Gebäude, in denen die Kinder schlafen. Wir durften uns kurz die Zimmer angucken. Klein, aber fein würde ich sagen. In der Mitte zwischen diesen vielen Gebäuden befindet sich der Schulhof. Zur Straße hin wird er durch ein Tor mit einem Wächter abgegrenzt.

Wir durften nun die ganze Woche lang nutzen, um jede Klasse kennenzulernen. Die Schule besteht aus zehn Klasse mit ca. 5-8 Schülern. Zu Beginn besuchten wir die Pri-Primary und die Primary I, danach folgten Primary II & III. Meiner Meinung nach, kann man diese in ihrer Beschreibung zusammenfassen. Vorne sitzen ein oder zwei Lehrer, die jedem Kind etwas zum Spielen geben -> Holzklötze, die sie dann aufeinanderstapeln, abzeichnen, sortieren oder zählen sollen, oder sie bekommen Wachsmalstifte in die Hand gedrückt, womit dann ein Kreis oder ein Rechteck ausgefüllt wird. Falls die Kinder einschlafen, ist das nicht schlimm, denn dann seien sie müde durch die Überforderung. Ich bin zwar keine ausgebildete Sonderpädagogin, aber ich würde fast behaupten, dass man doch noch etwas mehr aus den Kindern herausholen kann. Was mich sehr positiv überrascht hat, dass die (wirklich netten und freundlichen) Lehrerinnen und Lehrer viel über ihre SuS Bescheid wussten (da kommt der Lehramtsstudent in mir raus ;-) ). Sie kannten ihre Vergangenheit und wussten mit welchen Dingen sie sich am liebsten beschäftigen, wie sie reagieren und wie sie sich in verschiedenen Situationen verhalten. Naja trotzdem hätte ich mir etwas mehr gewünscht. Schließlich hätte ich auch wunderbar einschlafen können. Es gibt aber eine Steigerung von der Pri-Primary zur Primary III. In der erst genannten Klasse können die Kinder weder lesen noch schreiben. Viele von ihnen haben „non-speech“ und verstehen leider auch nur Kisuaheli oder Luo. Trotzdem haben wir es aber geschafft uns auf gewisse Weise mit ihnen zu verständigen (Schulterklopfer an Lena und mich ;-) ) In der Primary III hingehen, kann ein Teil der Kinder schreiben und ein bisschen rechnen.

Weiter ging es dann mit der „pre-vocation“ class (oder so ähnlich). Hier wird versucht die Kinder auf einige Berufe vorzubereiten. Es werden Ketten gebastelt (die zum Verkauf stehen) und einige Sachen besprochen, die auf das spätere Leben vorbereiten sollen. Dann folgten Workshop I-IV (Holzarbeiten, Nähen/weben, kochen/putzen und Gartenarbeit). Hier war es eigentlich ganz angenehm. Die SuS waren beschäftigt und hatten Spaß, an den dem was sie tun, auch wenn es häufig das Gleiche ist. Mir hat es dort eigentlich gefallen, aber ich würde dort ungern ein Jahr verbringen wollen. Vielleicht schaue ich hier hin und wieder mal rein, wenn es möglich ist.

Zu guter Letzt haben wir dann die special class besucht. Hier sind die Kinder mit autistischen Zügen untergebracht. Dadurch dass wir viele der SuS schon auf dem Schulhof kennengelernt hatten, war die Umstellung für uns nicht ganz so groß. Die Kinder sind klein, süß und niedlich aber sehr anstrengend und die Lehrer hier bisher tatsächlich aktiver.

Leider weiß ich jetzt immer noch nicht mit welcher Klasse ich zusammenarbeiten möchte. Lena und ich haben mehrere Ideen für kleine Projekte, die wir einführen könnten. Mal gucken, ob wir davon was umsetzen dürfen. Das würde uns freuen.J

Die Kinder an der Schule sind alle super niedlich und es macht echt Spaß mit ihnen zu arbeiten. Natürlich hat es am Anfang etwas Überwindung gekostet aber inzwischen fühlen wir uns dort eigentlich recht wohl. Außer mit meiner Kleidung ist es etwas komisch. Die Lehrer sind alle wirklich sehr schick in Rock und Jackett und ich komme da in meiner Schlabberbuchse mit Shirt an;-) naja als Rechtfertigung:  ich bin näher an den Kindern und meine Kleidung darf auch Flecken, Lülla, Spucke und Pipi abbekommen ;-)

Naja so viel erst mal zu dem, was an unsere Schule so passiert. Jetzt gibt es noch einen kurzen Schweif über die restlichen Eindrücke, die ich die Woche über so gesammelt habe.

Leider hat sich unsere Wohnsituation doch als etwas stressiger herausgestellt als zuvor gedacht. Unser Gastvater ist sehr fürsorglich und erschwert es uns somit leider richtig in Kenia und Kisumu anzukommen. Wir müssen vieles mit ihm absprechen und er möchte uns immer tolle Ratschläge geben. Er traut uns leider sehr wenig zu, sodass wir uns jedes Stück Selbstständigkeit hart erkämpfen müssen (zum Beispiel Matatu fahren)*. Auf der eine Seite ist es ja gut, jemanden zu haben der einem hilft, aber an manchen Stellen ist es dann echt genug. Außerdem ist die Wohnung wirklich ein ganzes Stück raus, sodass sich die Fahrt gegen Dämmerung auch als etwas schwierig herausstellt. Leider sind wir inzwischen alle etwas angenervt, sodass wir unsere erste Woche nicht so ganz in vollen Zügen genießen können. Von daher wird bei mir der Wunsch nach einer anderen Wohnung, näher an der Schule, immer größer. Naja, mal sehen, was geht.

Inzwischen waren wir auch mit drei weiteren Deutschen beim Inder essen. Es war echt mal ganz cool, die gemachten Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig Tipps zu geben.

Am Donnerstag waren wir dann bei der Eröffnung eines Fußballfeldes, was einer der deutschen Freiwilligen organisiert hat. Wir wollten aber den großen Regenschauer abwarten, sodass wir leider angekommen sind, als alles vorbei war. Naja, dafür hatten wir eine echt lustige Fahrt mit unserem Fahrer (angestellt bei unserem Gastvater).

An den Straßenverkehr hier habe ich mich inzwischen sogar wirklich gut gewöhnt. Man fährt halt einfach etwas „linkslich“ und versucht möglichst vielen Schlaglöchern auszuweichen. Die Anzahl der Personen im Auto scheint bei manchen Leuten auch wirklich unbegrenzt. ;-)

Auch das Essen schmeckt mir eigentlich recht gut. Ugali, Chapati, Kochbananen, Kohlrabiblätter, Mandazi,… sind alles Sachen, die man gut verzehren kann. Nur für unsere Mägen in Maßen. Vieles von diesem Zeug ist einfach unfassbar stopfen und man füllt sich danach wirklich nicht besonders aktiv und ausgeglichen ;-). Lena und ich könnten auch in der Schule mitessen. Da wir aber nicht jeden zweiten Tag Lust haben auf Mais mit Bohnen, haben wir uns dagegen entschieden. Abends essen wir aber nun noch ein paar Tage bei unserer Gastfamilie mit, um mehr von den kenianischen Spezialitäten probieren zu können.

Ich freue mich auf die nächsten Tage und hoffe noch viele spannende Dinge zu erleben. Ich möchte unbedingt zum See und Hippos sehenJ. Kenia ist echt ein schönes Land, zumindest das, was ich gesehen habe. Leider habe ich dieses Mal viel von den eher negativ behafteten Eindrücken beschrieben habe. Aber die tolle Atmosphäre lässt sich hier leider nicht in Worte fassen. All die schönen Bilder und Gerüche, die ich als Erinnerung behalte, kann ich leider nicht mit euch hier  teilen. Ich freue mich wenn ich morgens über die Straßen Richtung Schule fahre und eine helle, grüne Umgebung sehe… Auch die Leute sind wirklich nett zu uns und ich hoffe, das liegt nicht nur an unserer Hautfarbe.

Auf bald, ihr Lieben!

 

PS: Heute morgen hatte einer der Fahrradfahrer ein Jungessellenshirt aus Deutschland an :-D

* Matatus: Kleinbusse (alt und zerbrechlich) mit so vielen Leuten wie es geht, ein Fahrer und ein Geldeinsammler/Koordinator

 

20.9.13 17:34

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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