You get used to it.

Wo se Recht haben, haben se Recht. 
Der Straßenverkehr, das frühe Aufstehen, kalt duschen, früh dunkel werden, Regen, Lülla und Schnotte am Shirt und Hose,… Das alles macht mir inzwischen fast gar nichts mehr aus. Allerdings stört es mich immer noch, dass wir so weit raus wohnen. Wir können uns sobald es dunkel wird eigentlich nicht mehr hier weg bewegen und das macht leider echt einiges kaputt. Auch der Arbeitsweg ist unfassbar lang. Nach der Schule brauchen wir meist mehr als eineinhalb Stunden. Aber wir geben uns Mühe, dass wir eine andere, hoffentlich auch sichere, Bleibe finden. Noch bin ich da sehr optimistisch, auch wenn es manchmal nicht so den Anschein macht, als könnte es klappen.
 
 
Ich weiß viele von euch haben schon ein FSJ oder Zivildienst oder sowas gemacht, aber für mich ist das schließlich noch was Neues ;-) Ich habe inzwischen Zähne geputzt, „lüllernde“ Kinder gedrückt und geknuddelt, schnoddrige Hände geschüttelt, fiebernde Kinder in den Schlaf gekrault, Hintern abgeputzt, kleine Hände beim Kacken gehalten, mich anspucken lassen, Pipi-Hosen auf mir sitzen lassen, Kaka-ähnliches von den Händen gewaschen, eine Wurmkur geschluckt und viele Blätter und Stöcker aus Kindermündern geholt. Ich glaube, wenn ich wiederkomme schockt mich gar nichts mehr. Noch hat mich niemand angepinkelt oder ähnliches, aber das darf auch gerne noch etwas auf sich warten lassen.
 
Ich glaube die Kinder scheinen uns inzwischen echt zu mögen und freuen sich, wenn wir kommen. Das macht den Schulalltag doch um einiges schöner. Lena und ich haben bzw. können uns einfach nicht für eine Klasse entscheiden. Wir haben drei Favoriten und bei denen wird es auch wahrscheinlich bleiben. Wir haben für uns jetzt einfach einen Plan erstellt, wer wann wo hingeht und haben dem für uns verantwortlichen Lehrer gesagt, dass wir das gerne erst mal einen Monat so ausprobieren würden. Er versteht nämlich leider nicht, dass uns mehr Orientierungszeit nichts bringt, da wir einfach nicht in der Lage sind, in diesem Zusammenhang einen Entschluss zu treffen. Wir hoffen natürlich, dass keinem auffällt, dass wir das über den Monat hinaus noch so machen werden. Wir würden auch gerne schon mit einigen Projekten anfangen, die uns eingefallen sind, aber leider war unsere Headteacherin heute Nachmittag einfach nicht erreichbar. Naja, wir werden morgen nochmal unser Glück versuchen. Da es inzwischen Richtlinien an der Schule für uns volunteers gibt, gab es sogar wegen uns ein richtiges Meeting (mit Tischdecke, Milchtee und Plastikblumengesteck), aber besondere Info haben wir da auf jeden Fall nicht rausgezogen. Es ist uns nur leider wieder deutlich geworden, welche Erwartungshaltung an uns gestellt wird. Die Lehrer berichtet von tollen Projekten, die all unsere Vorgänger gemacht haben, die aber auch alle mit Geld verbunden waren. Über die kleinen Dinge, die wir aus Erzählungen kennen, hat dort leider keiner gesprochen. Naja wir werden ihnen nochmal versuchen zu erklären, dass wir für einen Austausch von Erfahrungen da sind und nicht um nur Geld zu bringen und dass man Kinder auch schon mit kleinen Dingen, wie Zeit und Engagement für sie, glücklich machen kann.
 
Wir haben bisher nämlich auch nur einen Plan für kleinere Sachen, für die ein bestimmter finanzieller Rückhalt aber doch ganz sinnvoll wäre. Starten werden wir erst mal mit dem Säubern der Klassenzimmer, Bauen von Musikinstrumente aus alten Dingen und Aufrechterhaltung von zwei Projekten unserer Vorgänger: Zum Einen, dass jedes Kind ein sogenanntes Mandazi bekommt (Kuchenähnliches Teil), auch wenn seine Eltern kein Geld dafür haben und zum Anderen, dass die Kids hin und wieder Obst essen können. Für einige der weiteren Ideen, müssen wir uns erst einmal finanzielle Unterstützung suchen. Aber das kommt wann anders nochmal ;-)
 
 
Meine erste Erkältung in einem Land mit einer gefühlten Durchschnittstemperatur von über 27° habe ich überstanden und auch meine Typhus-Impfung hat sich als sehr sinnvoll herausgestellt. Wir bekamen nämlich neulich eine SmS von unserer Gastschwester, die im Krankhaus war, da bei ihr Typhus festgestellt wurde. Sie ist aber nicht da geblieben und ist bei bester Laune. Also alles kein Problem. Über diese Wurmgeschichte weiß ich aber echt noch nicht viel. Anscheinend soll hier jeder Würmer von jeglicher Art und Form haben/bekommen. ;-)
 
 
Sport ist doch einfach die beste Droge!
Lena und ich waren inzwischen sogar einmal im Fitnessstudio und ich hatte ganz vergessen, wie gut das Gefühl ist sich auszupowern. Leider war der Typ mit dem wir sprechen wollten, noch nicht da, sodass unser Probetraining leider nur aus Laufen bestand. Das war aber nicht so schlimm. Es hat Spaß gemacht. Wir hätten aber gerne mit ihm geredet, da er deutsch kann und wir noch etwas darauf hoffen, einen günstigeren Beitrag zahlen zu können. Das wäre wirklich sehr cool. Die volle Summe ist für uns doch etwas zu krass. Aber ich will da echt gerne hin. Hier in und um unser Haus herum Sport zu machen gestaltet sich nämlich echt als ziemlich schwierig. Wir leben weit raus aus Kisumu und hier ist es eher ein Dorf mit Matschwegen und Feldern. Außerdem möchte ich hier ungern alleine eine Runde laufen gehen nach der Arbeit. Also hoffe ich mal darauf, dass wir uns das im Fitnessstudio leisten können. Auspowern macht einen ja schließlich ausgeglichen! ;-)
 
Ein Großteil der Kenianer braucht glaube ich keinen Sport zu machen, da sie beim Tanzen Körperteile bewegen, die ich nicht einmal wahrnehmen kann. Für uns stocksteifen Deutschen sieht der Stil echt völlig abgedreht aus. Jeder der sich so in Deutschland bewegen würde, hätte glaube ich direkt den „Schlampenstempel“ auf der Stirn. Andererseits, wenn die Kenianer uns tanzen sehen, würden sie es wahrscheinlich nicht einmal wahrnehmen, da wir uns in ihren Augen wahrscheinlich gar nicht bewegen. Naja, so unterschiedlich kann es sein ;-) Wer weiß, vielleicht schafft mein unkoordinierbarer Körper ja doch noch den ein oder anderen move zu lernen;-)
 
 
Come in, just look, just look!
Am Wochenende waren wir mit den drei anderen deutschen auf dem Mini-Massai-Markt. Es war echt ganz schön die Sachen mal zu sehen, aber sie ähneln sich doch alle sehr, besser gesagt: An jedem Stand gibt es den gleichen Schnick-Schnack. Aber ich werde dort tatsächlich nochmal hinfahren und touri-mäßig vielleicht die ein oder andere nette Kleinigkeit als Erinnerung mitnehmen. Trotzdem war es sehr anstrengend darüber zu laufen, da jeder Verkäufer einen herzlich einlädt doch mal einen Blick auf seine natürlich außergewöhnlichen Dingen zu werfen. Vielleicht war es auch tatsächlich etwas unklug mit sieben weißen (netterweise Muzungu genannt) auf einen verlassen Markt zu gehen. Anschließend waren wir in einem Restaurant und es gab eine leckere Garden-graden-Veggie-Pizza für mich…mmmmhhh…
 
 
 
 
 
Allerdings haben wir in den letzten Tagen auch eine etwas eher erschreckende Nachricht bekommen. Eigentlich möchte ich das hier nicht weiter ausführen, aber kurz erwähnen sollte ich das ja doch. Wie ihr alle gehört habt, gab es in Nairobi einen Anschlag. Es ist echt ein komisches Gefühl, dass man auf Mal so nah dran ist, obwohl man eigentlich so weit entfernt wäre. Ich war auch echt etwas besorgt, da schließlich auch drei Freunde/Bekannte von mir in Nairobi sind. Aber zum Glück geht es denen allen gut und auch in Nairobi scheint es sich schon wieder etwas beruhigt zu haben. Trotzdem ist die Sache eine üble Geschichte und ich hoffe, dass die Verletzten und die Angehörigen der Verstorbenen wieder die Kraft bekommen, ein normales Leben zu führen. Ich wünsche keinem Land, dass so etwas passiert.
 
 
 
Vor dieser Nachricht hatten wir eigentlich vor, kommendes Wochenende nach Nairobi auf das Oktoberfest der deutschen Botschaft zu fahren und dort die anderen zu treffen. Aber irgendwie sind wir nun etwas unschlüssig, obwohl es bestimmt momentan noch sicherer ist in Nairobi als in einigen Wochen. Aber außerdem haben wir ja auch keinen Urlaub. Naja mal sehen. Ich denke wir werden hier bleiben und endlich mal Hippos sehen. (Bisher hat mein liebes Äuglein nämlich nur Affen und Geckos erblicken können. Das Chamäleon habe ich leider verpasst ).
 
 
Also planen wir erst einmal ein entspanntes Wochenende, an dem wir vielleicht doch noch einiges von Kisumu erkunden können.
Bis dennen, Antennen!
 
 

30.9.13 21:17

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Erika Künnemeyer (1.10.13 21:30)
Habe mit großem Interesse deinen neuen Bericht gelesen.
Freue mich sehr über weitere Infos.Deine interessierteste
Leserin.{Emotic(wink2)


deborah (6.10.13 21:59)
Wow cari,schon Viel passiert ;-)Vieles erinnert mich an Uganda :-)
Wünsche dir/euch weiterhin alles gute u passt auf euch auf!

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