Einschub: Der kleine erste Kultureindruck


Da ich ja wie gesagt am Wochenende nach Nairobi gefahren bin, habe ich zwei Tage lang zum Großteil im Bus verbracht, was eine wunderbare Möglichkeit zum Nachdenken bietet. In dieser Zeit habe ich beschlossen mal meine ersten Eindrücke über die Kultur zusammenzufassen. Vielleicht werde ich sie im Laufe des Jahres noch revidieren, aber so habe ich sie bisher wahrgenommen.

Mein neues Jahresleben in Kenia gefällt mir echt sehr gut. Die Leute sind nett und die Umgebung ist teilweise atemberaubend. Trotzdem gibt es einige Dinge, die mich davon abhalten, mit meiner kulturellen Prägung, alles fantastisch zu finden. Aber ich denke, das ist ganz normal. Wenn ich hier Dinge beschreibe, die mir nicht so gefallen, heißt das aber nicht, dass sie mir den ganzen Tag ins Auge stechen. Sie sind einfach da, belasten mich aber nicht weiter. Also keine Sorge ;-)

Auffällig ist hier, welchen besonderen Fokus auf die Musik gelegt wird. Die Kinder lernen schon in den frühesten Kinderschuhen tanzen und in jedem Matatu, Bus, Piki piki oder Tuktuk läuft Musik. Einige der Matutufahrer haben sogar einiges an Geld investiert, um ihr Matatu besonders zu machen. In vielen sind besondere Lichtanlagen und große Boxen installiert. Das macht eine Fahrt eigentlich sehr angenehm, es sei denn jemand übertreibt da etwas mit der Lautstärke;-). Die Musik zaubert mir häufig ein Schmunzeln ins Gesicht und sorgt für gute Laune :-)

Spannend ist auch, im Vergleich zu „uns“, dass ein Großteil des Lebens draußen auf den Straßen stattfindet. Bisher habe ich noch kein besonders toll eingerichtetes Haus gesehen. Die meisten besitzen einen Tisch mit Stühlen, einen Fernseher und ne Couch (oder mehrere) im Wohnbereich. Es wird nicht so viel Wert auf tolle Bilder an den Wände, Dekoartikel, Blumen oder bunte Gardienen gelegt. Stattdessen sind die meisten Leute draußen unterwegs. Sie treffen sich zufällig und halten ein kleines Pläuschchen. Auch Klamotten, Küchengeräte, Schuhe, Sofas, Betten,.. werden an Läden auf der Straße gekauft. Nur in Supermärkten gibt es eine Art Kleidungsgeschäft, was aber eher den Abteilungen bei Karstadt oder Galerie Kaufhof ähnelt. Eigentlich mag ich das sehr, da alles sehr klein und niedlich ist und man schnell mit den Leuten in Kontakt kommt. Anstrengend ist nur, dass wir häufig einen viel teureren Preis als die Bürger bekommen und uns dann erst mal in eine lange Verhandlungsdiskussion begeben müssen. Am besten informiert man sich vorab, was ein angemessener Preis ist, sodass man nicht übers Ohr gehauen wird. (Wir werden immer besser darin, obwohl es manchmal auch echt Kraft und Zeit kostet ;-) )

Das Leben in Kenia beginnt für mich gefühlt auch viel eher. Sobald es hier hell wird, sind alle wach und aktiv. Macht ja eigentlich auch Sinn, da es früh wieder dunkel wird. Ist für Langschläfer wie mich nur echt ungewohnt;-). Trotzdem kann man den „Kenianern“ nicht unbedingt nachsagen, dass sie aufgrund der frühen Aktivität auch besonders viel am Tag erreichen. Manchmal scheint es so, als würden sie sich ein Ziel für den Tag setzen und sind damit zufrieden. Klingt doch eigentlich ganz gut… Warum immer unfassbar viel an einem kurzen Tag erreichen wollen? Aber auch darauf muss ich mich erst noch einstellen. Da ich normalerweise eher unzufrieden bin, wenn ich an einem Tag so viel geschafft habe. Vielleicht kann ich ja mal anfangen mit 2-3 Tageszielen. ;-)

Dass an einem Tag aber auch nicht 1000 Bäume ausgerissen werden, könnte aber auch mit der „african time“ zusammenhängen. In der Regel sind hier alle sehr entspannt und wenn man später kommt, dann kommt man später. Unsere Gastschwester hat uns schon gesagt; wenn wir möchten, dass jemand um acht da ist, sollen wir ihm sagen, dass er um sieben oder halb acht kommen soll. Vielleicht haben wir dann Glück und er ist um acht da. Ein kleiner Gegensatz zur klischeehaften „deutschen Pünktlichkeit“.  Auch wir ertappen uns inzwischen öfter mal, dass wir spät dran sind und nehmen dann immer die african time als Ausrede. Das klappt hervorragend.

Die Leute, die ich bisher hier in Kenia kennengelernt habe, legen einen besonderen Fokus auf die Kirche und die Familie. Die Familien sind hier besonders groß und alle sind herzlich und offen. Ein Onkel wird hier auch grundsätzlich „daddy“ genannt und alle Cousinen und Cousins sind Geschwister.  Das heißt, hier verschanzt sich keiner in seinen Häusern mit seinen zwei Kindern, sondern freut sich jederzeit über Besuch, dem dann direkt Tee oder andere Leckereien angeboten wird.  Aber ich muss manchmal gestehen, dass mir dieses Zurückziehen etwas fehlt. Da wir aber ja hoffentlich bald für uns wohnen, können wir auch entscheiden, ob wir uns in das große Getümmel auf der Straße begeben oder mal einen entspannten Nachmittag zu Hause verbringen. Dadurch, dass aber immer alle so offen und gastfreundlich sind, kann man echt viele Leute kennenlernen (zumindest flüchtig).

Was mir vor allem diese Wochenende in Nairobi aufgefallen ist, dass „Kenianer“ die Geld haben, es auch gerne in Form von Autos, Häusern oder anderen materiellen Gegenständen zeigen. Naja, wer hat’s, der hat’s halt ;-)

Abschließend möchte ich aber nochmal auf die tollen Reiseführer eingehen. Es gibt wirklich welche, die sind total hilfreich. Sie erklären viel und enthalten gute Informationen.

Es gibt allerdings auch welche, wo man nachdem man sie durchgeblättert hat, denken müsste: „Okay Kenia besteht hauptsächlich aus Massai, Giraffen, Affenbrotbäumen und ist völlig unmodern“. Da muss ich aber leider enttäuschen. Auf Massaimärkten verkaufen keine Massais die Sachen und außerdem betragen sie ungefähr 2% der Bevölkerung. Das heißt hin und wieder sieht man welche, es ist dann aber auch nicht so außergewöhnlich wie es beschrieben wird. Sie laufen halt einfach neben einem auf der Straße, so wie du und ich. Giraffen sind mir auch noch keine zu Gesicht gekommen, aber wenn ich mich mal in einen Nationalpark begebe, wird sich das sicherlich ändern. Die typischen Bäume habe ich tatsächlich das erste Mal auf dem Weg nach Nairobi wahrgenommen, das heißt, nach einem Monat Kenia:-)

Naja und zu Nairobi. Wie schon beschrieben. Es ist echt eine sehr moderne Stadt mit einem Wolkenkratzer neben dem nächsten. Es ist der Dreh-und Angelpunkt Westafrikas und ist auf keinen Fall unmodern. Auch vieles andere was ich gesehen habe, hätte dieses beschreibende Adjektiv nicht verdient. Klar, hier gibt es hin und wieder Stromausfall, aber ist es deswegen unmodern, wenn es viele andere Dinge gibt, über die wir staunen können? Heißt mal kein Wasser zu haben gleich unmodern zu sein? Wenn man es mal schafft aus seinem eingerosteten Blickwinkel herauszuspringen vermutlich nicht. ;-) Alles liegt im Auge des Betrachters. In anderen Kulturen haben andere Dunge Priorität. Das sollte man sich immer vorhalten.

 

 

15.10.13 22:56

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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