The big Ceremony

Am Freitag war es dann soweit: Die große Graduation stand an.

Die ganze vergangene Woche waren wir Volunteers deswegen mit Basteln beschäftigt. Aber ich versuche ja gerne kreativ zu sein und sich nützlich zu fühlen ist auch nicht unbedingt eine schlechte Wahrnehmung. Also haben wir uns in den hintersten Raum verkrochen und ca. 250 (häufig verschiedene) Anstecker gebastelt, damit man die Leute, die zu diesem Event kommen sollten, auch zuordnen kann. Leider fehlte uns dann doch Material, sodass wir nicht alles für Freitag fertig machen konnten.

Am Tag der Graduation waren wir dann pünktlich (so wie es sich ja für uns gehört :-D ) vor Ort, aber irgendwie waren noch nicht so viele Leute auffindbar, denen wir unsere Hilfe anbieten konnte. Erst kurz vor eigentlichem Beginn, fiel vielen auf, was ja noch gemacht werden sollte. Also teilten wir uns in mehrere Stücke und halfen zehn Lehrer gleichzeitig;-). Unsere eigentliche Tagesaufgabe bestand dann daraus diese Anstecker zu verkaufen. Wir fühlten uns alle sehr schlecht, als wir das gehört haben, da wir davon ausgegangen waren, dass sie kostenlos seien. Für viele der Eltern ist es nämlich schon ein finanzieller sowie zeitlicher Aufwand zu so einem Event zu kommen und anschließend das Kind inklusive Gepäck nach Hause zu transportieren, da ja ab nun Ferien sind und alle Schülerinnen und Schüler wieder bei ihren Eltern wohnen. Die liebe Krankenschwester der Schule hat uns aber ganz viel geholfen, sodass sie uns die Aufgabe des Geldeintreibens abnahm. Dafür bin ich ihr echt sehr dankbar. Ich hoffe nur, dass das Geld auch wirklich den Kindern zu Gute kommt. Wir werden da nach den Ferien mal nachhaken.

Der Morgen der Feier bestand, so wie es für einen Abschluss üblich ist, viel aus Reden, Danksagungen und Ansprachen. Auch die Absolventen trugen ein Gedicht vor. Es war sehr schön zu sehen, dass  alle von ihnen in diese typisch amerikanischen Jacken verhüllt waren. Die Rektorin kam am Mittwoch auch auf die Idee, dass wir ihnen ja noch die Hüte basteln könnten, aber 28 von ihnen, lassen sich nur leider nicht mal eben ausdenken, ausschneiden und zusammenkleben.


Weil wir ein von uns gebasteltes Plakat mit „Graduation 2013“ vor das Eingangstor gehangen hatten, stellte sich auch direkt ein Straßenverkäufer davor, der versuchte, einige Glückwunschkarten (pink, glitzernd und mit Teddybären – und hier fahren sie wirklich voll drauf ab) und Lametta-ähnliche Girlanden (auch nicht wirklich schön) unter die Leute zu bringen und das tatsächlich erfolgreich.

Da wir den ganzen Vormittag eigentlich beschäftigt waren, kamen mir die vielen Ansprachen gar nicht so lang vor. Erst als ich den Hunger bemerkte stellte ich fest, wie spät es war. Aber dann war auch schon Zeit für die „Zertifikats-Vergabe“. Die Absolventen bekamen kein Zeugnis, sondern eher nur eine Art Urkunde, von wann bis wann sie an der Schule waren und welche besonderen Fähigkeiten sie in diesem Zeitraum gefördert haben. Aufgrund der unterschiedlichen Workshops (wie gesagt, es gibt den Garten, Holz, Haushalt und Näh-workshop) gab es auch unterschiedliche Geschenke. Nicht gerade überrascht hat uns (abgesehen davon, dass es überhaupt Geschenke gab), dass die Jungs aus dem Holz-Workshop Hammer und Säge bekommen haben. Genauso wie einige Mädels Wolle + kleinen Webrahmen mit nach Hause nehmen konnten. Als dann aber dem ersten eine lebendige Ziege überreicht wurde, konnten wir uns das Schmunzeln nicht verkneifen. Weiter ging es dann mit drei zusammengebundenen Hühnern inklusive Futtertrog :-D

Die Idee dahinter ist aber eigentlich super. Entweder lernen die Kinder jetzt nochmal, wie man diese Tiere versorgt und oder wie sie zubereitet werden. Dass hier lebendige Tiere transportiert werden ist übrigens völlig normal. Manchmal steigen Frauen ins Matatu mit zwei an den Füßen zusammengebundenen Hühnern. Oder eine Lehrerin läuft an dir mit einem Huhn in der Plastiktüte vorbei. Auch unser Gastvater hatte zur Beerdigung eine Kuh geschenkt bekommen. Naja Fleisch ist hier halt teuer und von daher freuen sich die Leute. Hauptsache sie wollen Lena und mir sowas nicht andrehen. Aber ich habe schon ordentlich verbreitet, dass ich Vegetarier bin, von daher wird das schon nicht passieren.

Ich glaube auch für viele (in Deutschland) Fleischesser, wäre das eigentlich eine gute Ausrede. Hier gibt es nämlich nicht nur die „schönen“ Teile vom Fleisch, so wie Hähnchenbrust oder Filet oder weiß der Kukuk was. Hier wird halt einfach ein Hühnchen geschlachtet, klein gemacht (wie auch immer) und ab in den Topf. Naja und dann wir halt von den Knochen genagt. Dass man die vom Fleisch befreiten Überreste einfach neben seinen Teller legt ist auch auf sehr festlichen Veranstaltungen Gang und Gebe. Der Tisch sieht hinterher aus, als hatte 40 kleine Kinder daran gewütet. Aber so ist es hier und solang ich weiter  mit Messer und Gabel oder Löffel und Fingern essen darf, stört mich das nicht weiter ;-)

Naja, zurück zur Graduation. Nachdem alle Zertifikate verteilt, Hände geschüttelt und Bilder gemacht wurden, gab es etwas zu essen. Die Auswahl war eigentlich relativ groß und Lena und ich glauben, dass wir das bisher beste Chapati gegessen haben….man war das lecker….:-)

Ziemlich witzig war, dass wir kurz vorm Essen eine deutsche Kenianerin oder kenianische Deutsche (je nach Ansichtssache) getroffen haben. Sie wohnt seit 15 Jahren in Deutschland und ist momentan auf Heimatbesuch. Es ist echt völlig abgefahren, wenn in Kenia eine Schwarze vor die steht und sagt „Man, dieser scheiß Käse ist hier aber auch sauteuer. Außerdem vermissen ich jetzt schon Bratwurst und Leberkäse!“ :-D Sie hat uns ihre deutsche Nummer gegeben und meinte, wenn ich euch beim nächsten Besuch was mitbringen soll, sagt Bescheid. Was ein Engel ;-)

Nachmittags räumten wir dann noch etwas auf und versuchten noch einen Brief aus dem Büro zu bekommen, der uns schildert, dass wir eine Art Residence sind und nicht nur Touris, in der Hoffnung, dass wir dadurch die ein oder anderen Besuche in Nationalparks, Museen oder sonstiges günstiger bekommen. Hier gibt es nämlich immer zwei Eintrittspreise. Zum Beispiel im Museum in Kisumu: Residence 100 KSH, Non-Residence 500. Ob das gerecht ist? Ich wage es zu bezweifeln.

Während wir warteten, hat uns noch ein geschätzter 14-jähriger Pfadfinder versucht davon zu überzeugen, ihm unsere Nummer zu geben. Lena und ich haben uns ganz geschickt daraus gewunden. Aber er möchte Journalist werden und hat uns somit mit Fragen über Deutschland gelöchert. Das war aber echt ok, solang wir ihm damit weiterhelfen konnten.

Am Samstag trafen wir uns dann noch mit einigen der Studenten, die ein Praktikum an unserer Schule gemacht haben. Sie möchten ein Projekt auf die Beine stellen, um Straßenkindern in ärmere Gegenden zu helfen. Wir haben ihnen unsere körperliche Hilfe angeboten. Finanziell werden wir nichts für sie machen können, aber ich denke, dass sie das auch verstanden haben. Wahrscheinlich werden wir uns erst im neuen Jahr wieder treffen können. Ich bin gespannt was daraus wird. Es wäre echt cool, den Kontakt zu ihnen zu halten, weil sie wirklich nett sind und vielleicht können sie uns ja noch das ein oder andere in Kisumu zeigen. Mal sehen.

Lena und ich haben schon einige Pläne für die erste Ferienwoche, aber natürlich alles pole pole und mit ganz viiiiiel Gemütlichkeit ;-)

Also ich lass es mir nun gut gehen und genieße die schöne sonnige Zeit.

Ich hoffe bei euch ist auch alles soweit in Ordnung und ihr baut gaaanz langsam weihnachtliche Stimmung auf? Das ist hier nämlich nicht möglich. Es werden zwar überall Lichterketten aufgehängt, aber bei dem Anblick (in kurzer Hose und T-Shirt) von leuchtenden Schneemännern, Rentieren und eingepackten Skifahrer kommt sich das Ganze eher falsch vor, als dass es bei mir Vorfreude auslöst  :-D. Da ich aber letztes Jahr dank meiner Mitbewohner eine höchstausgeprägte Weihnachtszeit hatte (<3 :-D), kann ich da dieses Jahr auch drauf verzichten.

So jetzt geht es gleich zum Sport und danach einkaufen, damit Lena und ich uns ein ausgiebiges „Ferien-Anfangs-Frühstück“ gönnen können :-)

Bis bald, see you.

 

18.11.13 11:35

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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