„So schnell wirst du mich nicht los, Kenia!“


Die letzten Tage bestanden irgendwie aus dem einfachen Existieren und der daraus resultierenden völligen Langeweile, sowie dem absoluten Gegenteil, der durch Adrenalin entstandenen Aufregung.

Lena und ich haben unsere Ferien erst einmal völlig entspannend beginnen lassen. Es gab ein ausgiebig Frühstück, Entspannung im Internetcafe und jede Menge Essen. Und so sollten unsere Ferien auch eigentlich weitergehen. Aber…Pustekuchen. Stattdessen rebellierte die Nacht von Dienstag auf Mittwoch mein Körper und ich fühlte mich um ehrlich zu sein schon ziemlich elend. Daher weckte ich Lena Mittwoch ziemlich früh und wir fuhren zum Arzt. Da es hier aber keinen einfachen Hausarzt gibt muss man direkt ins Krankenhaus. Dort habe ich, aufgrund der für mich eindeutigen Anzeichen, einen Malariatest gemacht – negativ. War das jetzt eine gute oder schlechte Nachricht? Ich bin mir da immer noch nicht sicher ;-) Aber immerhin heißt es ja, dass man in unserer Wohnung doch einige Zeit leben kann, ohne von den gemeinen Mücken gestochen zu werden. Die anderen schaffen es nämlich leider viel zu häufig.

Naja, dann wurden mit meinem Blut weitere Tests gemacht und eine Ärztin hat mich untersucht. So viel habe ich davon aber nicht mitbekommen, da ich hundemüde war und die meiste der Wartezeit geschlafen habe. Ein Hoch auf die liebe Lena, die sich um alles gekümmert hat. Ich bin ihr sehr dankbar. Gegen frühen Mittag habe ich dann das Krankenhaus (mit Antibiotika versorgt) verlassen. Man diagnostizierte mir eine bakterielle Infektion… soso na klar, jetzt weiß ich Bescheid :-D. Auf jeden Fall verbrachte ich den restlichen Tag und die zwei darauffolgenden auf unserem Sofa. Unfassbar wie viel ein Mensch schlafen kann. Am Donnerstag ging es mir dann aber schon um weiten besser und ich merkte auch täglich eine Steigerung. Also alles kein Grund zu Sorge. Am Wochenende fühlte ich mich wieder voll auf gesund und konnte Samstagabend mit zu einem kleinen Barbecue. Das Programm die Tage davor hatte ich allerdings sicherheitshalber ausgelassen, da ich mich ganz auskurieren wollte. Also habe ich zu Hause gesessen, Filme gesehen und meiner Kreativität freien Lauf gelassen. Wir haben jetzt seltsame Hakenkonstruktionen an den Wänden und auch unsere Töpfe und Pfannen haben einen extra Platz bekommen…vielleicht sollte ich öfter krank sein? Somit hatte ich die erste Ferienwoche nicht sonderlich viel erlebt. Aber es ist beruhigend zu wissen, dass es nicht schlimm ist hier krank zu sein. Ich habe liebe Menschen, die sich um mich kümmern und auch im Krankenhaus fühlte ich mich gut aufgehoben, auch wenn alles vielleicht nicht ganz so schnell und der Reihenfolge entsprechend ging, wie ich es evtl. in Deutschland erlebt hätte. Auch ein Malariatest ist nicht sonderlich aufwändig oder kostspielig. Also, keine Panik. Wir kennen uns jetzt super aus für den Fall der Fälle ;-)

Den Sonntagnachmittag verbrachten Lena und ich auf dem Massaimarkt. Wie gesagt, es gibt dort echt schöne Sachen, nur jeder möchte, dass man sie ausgerechnet bei ihm kauft. Und nur der Verkäufer gibt einem natürlich den besten Preis. Naja, nach einiger Zeit der Verhandlung hatten Lena und ich alles was wir wollten und waren glücklich und zufrieden mit dem Wochenende.

Die letzte Woche war so, wie man sich eine Ferienwoche so vorstellt. Ausschlafen, hin und wieder sporten, Markt, Gardienen kaufen (voll üblich oder?)… Außerdem waren wir inzwischen mal im Museum. Es war ganz nett dort, aber unserer Meinung nach hätte man da etwas mehr raus machen können. Wir haben Schlangen, Krokodile und Fische gesehen. Außerdem wurde dort ein Luo-Dorf aus Lehmhäusern nachgebaut. In der eigentlichen Museumshalle konnte man etwas über Werkzeuge, Schmuck und Instrumente erfahren. Allerdings erfüllte uns nicht das Gefühl sonderlich dazu gelernt zu haben. Tja..sich einfach berieseln zu lassen, war ja auch ganz nett.

Nächste Woche wollen wir mal versuchen eine Runde über den Viktoriasee zu drehen. Ich hoffe das es klappt, denn dann gibt es endlich Hippos zu sehenJ juhu…

Leider mussten wir in unserer ersten Ferienwoche auch eine sehr unangenehme Erfahrung machen. Bei uns wurde eingebrochen und wir sind nun um viele Elektrogeräte leichter. Ich hatte großes Glück, aber die anderen tun mir wirklich leid. Das ist auch die Begründung, warum ich leider über whats app nicht mehr zu erreichen bin. Vielleicht tut mir das ja mal ganz gut, etwas Abstand zu diesem neumodernen Kram zu bekommen.;-)

Zurück zum Eigentlichen. Aufgrund des Einbruchs durften wir dann auch mal ein kenianischen Polizeipräsidium von innen sehen und einen Bericht verfassen. Danke, dass ich das ausgerechnet hier machen darf! Die kenianische Polizei hat uns auf jeden Fall nicht mit einer völligen Übermotivation oder  Überorganisation überrascht, sondern leider eher unsere Erwartungen erfüllt. Wir stiefelten von Büro zu Büro und fühlten uns irgendwie nicht so richtig wohl. Letzten Endes haben wir es geschafft, dass es einen Bericht gibt, dass den Beamten unsere Seriennummern von den Elektrogräten vorliegen und dass sie versuchen wollen, sie zu orten. Falls sie etwas herausfinden, melden sie sich angeblich direkt. Die Polizei scheint sehr optimistisch, dass wir unsere Sachen wieder bekommen, wir eher nicht so.

Aber die Hauptsache ist, dass es uns allen gut geht. Die elektronischen Sachen tun weh, aber sind ersetzbar. Von daher… Kopf hoch, weiter geht‘s.

Leider wurde mir mit diesem Diebstahl nur etwas das Vertrauen in das Land und seine Leute geraubt. Wir fragen und die ganze Zeit wer es gewesen sein könnte und ob oder wo wir einen Fehler gemacht haben, da wir eigentlich sehr vorsichtig waren.

Jetzt liegt es an uns das Misstrauen abzulegen und eine gute Zeit in Kenia zu haben. Aber ich glaube, wir sind auf dem besten Wege. Wie verfolgen unseren normalen Alltag und haben glaube ich die Einbruchsachen schon sehr gut verarbeitet. Wir machen Scherze darüber und schlafen immer noch alle wunderbar. Allerdings habe wir jetzt die Sicherheit noch höher geschraubt. Das werden wir auch in diesem Jahr hoffentlich nicht mehr ändern.

Aber wie gesagt, Kenia, so schnell wirst du mich nicht los. Wir, alle die hier sind, haben genug Stärke um darüber zu stehen. Wir werden dieses Ereignis hinter uns lassen und uns an den tollen Sachen erfreuen, die uns dieses Land bietet. Allerdings wird es trotzdem wie eine kleine Narbe auf uns bleiben, die uns den Rest der Zeit daran erinnern lässt. Klingt vielleicht etwas theatralisch, aber zu wissen, dass fremde Leute in dem eigenem Zuhause, den eigenen vier Wänden waren, ist kein sonderlich tolles Gefühl. Es hat bewirkt, dass wir jetzt noch vorsichtiger sind und wahrscheinlich auch mit Dingen anders umgehen. Aber trotzdem geben wir deshalb nicht auf. Wir werden dieses Land lieben lernen und uns weitere neun Monate hier wohlfühlen können. Davon bin ich momentan überzeugt.

Bitte macht euch keine Sorgen um mich. Ich habe hier Leute mit denen ich mich gut verstehe, die sich gegenseitig helfen und das tut wirklich gut. Ich werde mir meine Ferien nicht vermiesen lassen! Nicht so einfach! :-) Dafür habe ich sie zu sehr verdient!

Also meine Liebe. Herzallerliebste Grüße aus Kenia. Lasst euch nicht unterkriegen, so wie ich mich nicht.

Macht es gut. Große Umarmung :-)

30.11.13 14:14

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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