Der Alltag frisst die Zeit.

Ich glaube dieses Phänomen kennt jeder von uns. Kaum hat man wieder ein geregeltes Leben und schon vergeht die Zeit wie im Flug.

Unser Zwischenseminar liegt nun einige Wochen zurück und wir haben uns in dem schönen Kisumu wieder hervorragend eingelebt. Wir gehen täglich zur Lutheran Church Special School und versuchen unsere neuen Ideen in die Tat umzusetzen. Einige Projekte sind recht gut angelaufen. Trotzdem klappt natürlich nicht immer alles genau so, wie man es sich vorstellt. Manche Dinge benötigen doch etwas Zeit oder Unterstützung von anderen Personen. Die kostet uns dann aber manchmal ein wenig Überwindung oder Vertrauen, sodass wir einige Dinge  etwas nach hinten geschoben haben. Es ist nämlich nicht immer ganz einfach herauszufinden, wo unser Spendengeld wirklich sinnvoll genutzt wird und wo es nur darum geht, Interessen einzelner umzusetzen. Daher nehmen wir uns jetzt in manchen Dingen mehr Zeit und denken länger darüber nach. Das stimmt mich manchmal aber etwas missmutig, da ich doch so gerne alles und sofort „verändert“ bzw. begonnen hätte. J Aber naja, es ist ja nicht so, als hätten wir noch nichts geschafft.

Lena und ich backen jetzt jeden Morgen Mandazi. Das heißt für die Kids, dass jeder ein kleines Gebäckstück umsonst bekommt. Die Lehrer scheinen sich auch daran zu erfreuen und kaufen sich häufig einen Pausensnack, was natürlich automatisch die Finanzierung für die Kinder unterstützt. Außerdem sind wir letzte Woche auf dem Markt fündig geworden. Wir fragten eine der Obstverkäuferinnen, ob sie uns mit Bananen beliefern könnte. Volltreffer. Direkt am Dienstag wurden uns dann mit einem Fahrrad ein Haufen Obst geliertet, was wir geschält und den Kinder zum Mittagessen gegeben haben.


Wir waren sehr zufrieden mit uns J Jedoch durften wir am Tag darauf den Missmut der Lehrer anhören. Die Bananen wären nicht so gut gewesen – unreif und irgendwie eine doofe Sorte. Außerdem sollten wir uns doch bitte auch um anderes Obst bemühen. Darüber hinaus hatte unser stellvertretener Schulleiter unseren Lieferanten angeschissen, weil es sich nicht respektvoll verhalten hätte. Dabei gab es eigentlich nur ein Kommunikationsproblem, wofür aber nicht unser lieber Fahrradfahrer verantwortlich war. Eigentlich dürfen unser Schulgelände keine fremde Personen betreten, außer sie werden von einem der Lehrer, Praktikanten oder vom sonstigen Staff begleitet. Naja wir hatten der guten Dame an der Pforte gesagt, dass heute unser Obstlieferant kommen wird und sie uns doch bitte Bescheid geben soll, wenn er da ist. Auch die Küche war informiert, dass Bananen gebracht werden sollte. Unsere gute Watchfrau hat dann den Obsthändler jedoch einfach so hineingelassen und der hat natürlich (so wie es eigentlich Sinn macht) die Bananen in die Küche gebracht. Dafür hat er dann einen ordentlichen Anschiss kassiert, obwohl er ja eigentlich nichts gemacht hat. Naja somit haben Lena und ich uns versucht bei allen zu entschuldigen und alle zu besänftigen. Trotzdem konnten wir dieses ganze Tamtam nicht nachvollziehen und haben uns doch etwas darüber aufgeregt. So sieht also der Dank aus, wenn man etwas Gutes tut… Aber wahrscheinlich wollten uns auch nur die Lehrer mit ihrem Hinweis helfen.

Bei der Lieferung am Donnerstag haben wir dann aber versucht, alles etwas besser zu machen. Die Pförtnerin hat uns aus unserer Klasse abgeholt, wir haben den Händler zur Küche und wieder hinaus begleitet und außerdem hatten wir der Obstverkäuferin verdeutlicht, dass sie uns doch bitte ausschließlich reife Bananen bringen soll (das hat auch immerhin zum Großteil geklappt). Wir werden nochmal mit ihr sprechen, ob sie zum Einen auch Mangos verkauft und zum Anderen, dass wenn die Bananen ein weiteres Mal nicht von guter Qualität sind, wir uns jemand anderen suchen werden.

Das waren also die kleinen Problemchen, die bei der ersten Umsetzung entstanden sind, aber wir geben unser Bestes, diese aus dem Weg zu räumen. ;-)

Einwandfrei hingegen verliefen unsere Besuche am Wochenende. Eigentlich besteht unsere Aufgabe ja daraus, die Schüler und Lehrer während der Schulzeit zu unterstützen. Trotzdem haben wir uns vorgenommen, den Kids auch am Samstag oder Sonntag mal einen Besuch abzustatten. Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich über etwas Abwechslung freuen. Sie haben nämlich eigentlich kein Tagesprogramm, außer morgens sauber zu machen und ab dann vor einem alten schwarz-weiß Fernseher zu sitzen. Da reicht es schon aus, wenn man einfach einen Ball aus der Tasche zaubert oder etwas zum Basteln mitbringt.

Besonders stolz sind wir auf unseren Regenbogenfisch. Diese Idee haben wir uns von zwei anderen Freiwilligen in Tansania abgeschaut. Jedes Kind bekam eine oder mehrere Schuppen in die Hand, um sie irgendwie bunt zu gestalten. Am Ende haben wir diese dann auf einen Fisch geklebt, den wir am Freitag zuvor vorbereitet hatten. Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Der vorbereitete Fisch, ist er nicht schön? ;-)

Alle Kinder waren fleißig dabei die Schuppen farbig zu gestalten.

Dann wurde geklebt: Schuppe, für Schuppe.

Und letzten Endes waren alle stolz wie Oskar.:-)

Diese Woche ist in der Schule hingegen dann aber nicht so viel passiert. Wir waren viel beschäftigt mit Mandazi frittieren und Obst schälen und die Lehrer hatten den Großteil der Schulzeit irgendwelche meetings. Das ist auch etwas, an das ich mich gewöhnen musste. Wenn an der Schule eine Besprechung nötig ist, dann findet diese eigentlich fast immer in der Schulzeit statt. Und wenn daran alle Lehrer teilnehmen sollen, dann ist das eben so. Es bleiben ja noch die ungefähr fünf Praktikanten, die dann Aufsicht über die rund 70 Kinder führen können. Naja je öfter einem sowas passiert, desto normaler wird es doch für uns. ;-)

Dafür haben wir dann aber die Zeit genutzt und uns eine Hand voll Kinder geschnappt und ein paar Bohnen eingepflanzt.


Ansonsten ist unser Leben momentan nicht so aufregend, wie einige Woche zuvor. Ich muss mich erst wieder an das Arbeiten gewöhnen und bin daher auch eher etwas träge und müde ;-). Wenn wir von der Schule zurück sind, organisieren wir noch ein paar Dinge, planen die nächsten Tage und entspannen uns etwas. Leider können wir nicht mehr ins Fitnessstudio gehen, da wir keinen Rabatt mehr bekommen und es uns somit zu teuer wird. Das finde ich wirklich schade. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Stattdessen sind wir nun auf der Suche nach einem geeigneten und günstigen „Freibad“, wo wir „einige Bahnen ziehen können „ :-D.

Da inzwischen auch die andern deutschen Freiwilligen wieder zurück in Kisumu sind (auch sie waren alle auf Reise, Zwischenseminar oder sonstiges), machen wir häufig am Wochenende etwas zusammen. Ich habe mich echt riesig gefreut, bei unserem ersten Wiedertreffen im neuen Jahr.

Nächste Woche ist schon wieder Half-term an der Schule, d.h. der erste Teil, des für uns zweiten Terms ist schon rum. Hier werden die Schuljahre in drei Terms gegliedert, die wiederum in Hälften aufgeteilt werden. Da nächste Woche dann schon 1 ½ terms vorbei sind, ist auch schon die Hälfte unserer Projektarbeit rum. Durch das Arbeiten und die tägliche Aufgaben wie Handwäsche, einkaufen, putzen, Blog schreiben… vergeht die Zeit wirklich wie im Flug.

Das stimmt mich irgendwie ein bisschen traurig. Ich habe etwas Angst davor, dass alles schneller zu Ende ist, als ich es mir wünsche. Aber natürlich, um euch zu beruhigen, freue ich mich auch euch alle wiederzusehen, wieder im schönen Münster zu wohnen und mal zu gucken, was meine Uni so treibt (ohne meine lieben alten Kommilitonen L ). Naja und auch in meiner Familie gibt es ja kleine Veränderungen, auf die ich mich sehr freue J

 

In unserem Half-term werden Lena und ich vielleicht noch einen kleinen Ausflug machen und außerdem gebührend Nadjas Geburtstag feiern. Vielleicht wird die nächste Zeit auch wieder etwas spannender für uns, da am 15.03. unser Visum ausläuft J Vier von den zehn Keniafreiwilligen scheinen bis dahin ihre Arbeitserlaubnis zu haben, was mit dem Rest passiert, keine Ahnung. Ich gehöre zu dem Rest, von daher: Endlich mal wieder etwas action! J

Naja, also macht es gut und ich melde mich wieder, wenn es spannender wird;-)

15.2.14 16:12

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andrea (17.2.14 00:33)
Ich möcht den Regenbogenfisch sehen! :-)

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