Karibu Halbzeit und Happy Birthday!

Hoppala, da ist das erste halbe Jahr vorbei. Ich glaube mir und vielleicht auch euch kam es schneller vor als gedacht. Wir bekommen tatsächlich langsam „Stress“ mit der Zeit, die uns zum Umsetzen der Projekte bleibt und auch mit der freien Zeit, die wir zum Reisen nutzen wollen. Mannoman. Jeder Kurzzeitfreiwilligen, dem wir erzählen, dass wir ja schon bald nach Hause fahren, schüttelt den Kopf. Schließlich bleiben diese in der Regel insgesamt nur drei Monate.

Aber um mal ein kleines Resümee zu ziehen: Mir geht es wirklich gut hier. Ich hatte tolle sechs Monate, die ich nicht mehr missen möchte. Kenia als Land gefällt mir für meinen Freiwilligendienst gut und auch die Schule macht mir richtig Spaß. Aber natürlich hat alles auch seine negativen Seiten und an manchen Tagen nehme ich sie stärker wahr, als an anderen. Das Wichtigste ist jedoch, dass sie bisher noch nie meinen Alltag bestimmt haben. Manchmal gibt es Tage, an denen ich angenervt bin. Aber dann entspann ich ein bisschen und suchte mit den anderen unsere Lieblingsserie und schon ist die Welt am nächsten Morgen wieder in Ordnung. An einige Dinge werde ich mich hier schließlich leider nicht gewöhnen können. Aber das ist nicht weiter tragisch. Für ein Jahr kann ich mich damit wunderbar arrangieren. Ich bin sehr froh, dass ich diesen Schritt gemacht und eine Pause in meinem Studium eingelegt habe, um hier 12 Monate meines Lebens zu verbringen. Das Problem ist jetzt nur: Ich will mehr! Mehr sehen! Mehr Länder! Mehr Kulturen! Mehr Menschen! :-D

Da nun aber das Halbjährige erreicht ist, bedeutet das gleichzeitig, dass unser zweites dreimonatiges Visum mal wieder ausläuft. Tja und irgendwie kann ich nicht so richtig erzählen, wie es weiter geht. Wir haben eine Mail von unserer Koordinatorin bekommen, dass wir uns nicht sorgen sollen. Es würde alles irgendwie funktionieren. Angeblich dürfen wir keine Probleme bekommen, da unsere Work-Permit in Bearbeitung sei. Da wir auch die Anweisung bekommen haben uns nicht einzumischen, heißt das für uns, sitzen und Däumchen drehen. Na dann wollen wir doch mal hoffen, dass ich ab Samstag auch noch legal in diesem Land bin. ;-) Aber Optimismus pur: Das wird schon. Das einzige Problem ist nur, dass wir in den nächsten Ferien, also Anfang April gerne nach Uganda reisen würde, was ohne Visum allerdings etwas problematisch wird. Hoffentlich hat sich bis dahin die Situation schon wieder geändert.

Nun sind es nur noch drei Wochen, bis der erste Term des neuen Schuljahres schon wieder vorüber ist. In dieser Zeit hatten wir eindeutig viel mehr Aufgaben, als in dem Schulterm zuvor, was aber natürlich viel daran liegt, dass wir dank der Spendengelder unsere eigenen Projekte initiieren konnten. Morgens frittieren wir immer fleißig und jeden zweiten Schultag organisieren wir Obst, welches wir dann auch vorbereiten müssen. Inzwischen gab es neben Bananen auch Ananas und Wassermelone. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie die Kinder es annehmen. J

Außerdem möchte wir ja auch noch andere Projekte starten, wo wir uns so langsam echt mal ran halten müssen. Somit verbringen wir auch noch etwas Zeit mit Planerei.

Die letzten zwei Wochen waren zuerst ich und dann Lena „on duty“! Zack, da fühlt man sich direkt doch etwas wichtiger, zumindest am Anfang der Woche. Man muss also etwas eher kommen und zusehen, dass die Kids morgens um acht Uhr fertig für die assembly sind. Darüber hinaus führt man Aufsicht bei den Mahlzeiten und bleibt bis die Schülerinnen und Schüler ihre Uniform um halb vier wieder ausziehen können. Der Anfang meiner duty-Woche war auch wirklich gut. Ich hatte zwei aktive, hilfsbereite Lehrerinnen, die das mit mir gemacht haben. Zusammen haben wir eigentlich immer alles passend vorbereitet und auch bei den Mahlzeiten lief alles glatt. Trotzdem war ich zum Ende der Woche doch sehr angenervt. Dadurch, dass man sich ständig für jede Kleinigkeit verantwortlich fühlt, hat man eine Menge zu tun. Schließlich will dann doch nicht jedes Kind essen, oder lässt sich von jemand anderem das Mandazi klauen. Es muss auf Toilette, was nicht jedes Kind findet, oder quengelt einfach mal rum, weil heute nicht sein Tag ist. Dazu kommt, dass wir in der Pause Aufsicht führen sollen und somit das Gelände nicht verlassen, was gleichzeitig bedeutet, dass wir in der Schulkantine mit essen. Also Mo, Mi, Fr Githeri und Di, Do Ugali mit Skuma. Geschmacklich finde ich das alles voll ok inzwischen, manchmal sogar wirklich lecker. Aber es ist für uns einfach zu schwere Kost. Sich mittags so nen Teller voll mit trockenen, teilweise noch harten Bohnen und Maiskörner reinzupfeifen ist tatsächlich nicht meins. :-D Außerdem macht es sau müde. Somit hat wahrscheinlich das Essen mit auf meine Laune geschlagen. Aber meine Lehrerinnen waren sehr zufrieden mit mir. Ich habe mir auch ein kleines Lob eingeheimst ;-)

Lena war dann diese Woche dran. Leider hatte sie nicht so ein Glück mit ihren Mithelfern. Außerdem hatte sie mich auch schon tapfer in meiner „on-duty-Woche“ unterstützt. Naja, jetzt sind wir auf jeden Fall froh, dass wir uns in den letzten drei Wochen wieder eine entspannte Mittagspause außerhalb des Schulgeländes gönnen können. J

Auch am nächsten Wochenende werden wir uns mal eine Pause gönnen, schließlich waren wir die letzte zwei äußerst kreativ. Einmal bastelten wir eine Giraffe, an der die Kinder ihre Größe messen können und einen anderen Samstag machten wir Schmetterlinge.

Wir hatten Pappe vorbereitet, die die Kids anmalen sollten. Anschließend haben wir sie gefaltet und ein Bändchen dran gemacht. Im Laufe der Woche haben wir dann damit den Essensraum verschönert. Ich hoffe sie hatte etwas Spaß daran.


Aber ich muss gestehen, dass es letzten Samstag wirklich anstrengend war. Irgendwie waren die Schüler total aufgewühlt. Ein paar haben sich gezankt (schon mit „einen auf die Nase geben&ldquo, einige Kids habe es sich zum Ziel gemacht uns in den Wahnsinn zu treiben, indem sie möglichst häufig unseren Namen sagen, anderen waren einfach bockig und unkooperativ und ein anderer Junge hatte zum dritten Mal an diesem Tag einen epileptischen Anfall. Naja und nach zwei Stunden hat es uns dann gereicht und wir haben uns wieder vom Acker gemacht. Trotzdem hatten sie an dem Tag ein wenig Abwechslung. Hoffen wir nur, dass es für die aufsichtführende Lehrerin später wieder entspannter wurde. Wir haben uns auf jeden Fall danach an die Abendplanung begeben.

Wir haben uns dann verdienter Weise am See beim Sonnenuntergang ein Bierchen gegönnt und sind später noch etwas um die Häuser gezogen.

Naja, aber zurück zu unsere Schule. Ich spreche immer von weiteren Projekten und werde nie konkreter. Also, es sollen demnächst von government Prüfungen eingeführt werden, sodass die Kinder auch einen Abschluss machen können. Ein Bereich, indem diese Examen stattfinden sollen, ist das Verpflegen und Füttern einer Hühnerzucht. Dafür braucht die Schule allerdings einen geeigneten Stall, für den derzeit das Geld fehlt. Also waren Lena und ich mit zwei Lehrern auf dem Markt und haben uns erste Preise geholt. Nun müssen wir kalkulieren und abschätzen, ob wir das Finanzieren können, bzw. wollen. Bei Hühnern sind wir immer direkt skeptisch, weil solche Faktoren wie Krankheiten, Fressfeinde etc. nicht so einfach zu berechnen sind. Wir werden mal sehen, ob wir absichern können, dass die Hühner etwas zu fressen bekommen und das Geld vorhanden ist, für anfallende Reparaturen, auch wenn wir nicht mehr vor Ort sind. Das heißt, das Projekt muss sich irgendwie nach dem Bau und den ersten Anschaffungen selber finanzieren. Da die Kinder immer einmal die Woche Eier bekommen, könnte man das Geld hierfür einsparen und die eigenen Eier nutzen, anstatt welche zu kaufen. Aber wir werden uns da dieses Wochenende mal dran setzen und das alles durchrechnen. Außerdem brauchen wir da noch einmal die Absicherung der Schulleiterin. Aber zum Glück haben wir zwei Leute, Lehrerin Mercy und Lehrer Ibrahim, die voll und ganz dahinter stehen, was uns etwas beruhigt. Trotzdem lassen wir uns Zeit darüber nachzudenken, da wir ja schließlich nicht Geld darein stecken wollen und hinterher funktioniert es nicht. Also planen, denken und  kalkulieren heißt es an diesem Wochenende.

Durch solche längeren Gespräche mit den anderen Lehrern und der Schulleiterin erfährt man immer mehr über die Strukturen an der Schule, wer mit wem gut kann und wer wem besser aus dem Weg geht. Das ist wirklich interessant. Auch lästern sie hin und wieder, was für uns dann immer guter Gesprächsstoff in den Pausen ist. Es ist also auch an dieser Schule so, wie in den meisten Betrieben, die ich so kennengelernt habe. Man hat doch immer mal wieder was an anderen Kollegen auszusetze. Naja, das ist ja auch eigentlich nicht verwerflich. ;-)

Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler hat in den letzten Wochen auch tatsächlich noch zugenommen. Es kommen immer noch mehr, wo die Eltern dann noch das Schulgeld auftreiben konnten. Ich bin gespannt, wie viele es noch werden. Einigen fällt es aber nicht so einfach sich in der neuen Schule einzufügen. Viele waren noch nie in so einer Institution und müssen auf der sozialen Ebene noch einiges lernen. Ich hoffe, sie schaffen das relativ schnell, denn ohne Freunde kann es an einer Boarding-school dann doch etwas einsam und langweilig werden. Ich bin mal gespannt, bei ein, zwei wird das glaube ich wirklich schwer. Sie bringen nicht nur das Lehrpersonal zur Verzweiflung sondern haben es auch schon geschafft, dass der Rest der Kinder sich von ihnen abwendet… das ist wirklich traurig. Aber mit der Zeit werden auch sie sich einleben.

Inzwischen, genau genommen an meinem Geburtstag, hat die Regenzeit begonnen. Das heißt, es soll jetzt jeden nachmittags anfangen zu regnen. Heute regnet es allerdings den ganzen Tag. Da heute ein „education-day“ ist und nur eine Hand voll Lehrer an der Schule waren und somit kein Unterricht stattfindet, durften wir früher Schluss machen und in einer Regenpause unsere Stromrechnung bezahlen gehen. Unser Vermieter hat uns nämlich gestern unseren Account (eine Nummer) gegeben, mit dem wir bei dem Kenya- power-office ( :-D )herausfinden sollten, wie viel wir zahlen müssen. Er hatte uns zu Beginn gesagt, dass wir einen eigenen Zähler bekommen sollten. Als wir allerdings da waren und man uns eine unmenschliche Summe nur für uns vier gegeben hat, wurde uns klar, dass das mal wieder nur Laberei war. Er sagt uns jetzt einen pauschal-Preis den wir bezahlen sollen. Pustekuchen, das sehen wir überhaupt nicht ein. Bei unseren Nachbarn brennt Tag und Nacht das Licht. Außerdem besitzen wir weder einen Fernseher noch eine Musikanlage. Das heißt, wir werden uns wohl auf eine Diskussion mit ihm einlassen müssen. Das ist es uns aber wert.

Im Moment haben wir aber eh nur sporadisch Strom. Sobald es stärker anfängt zu regnen, kann Kenya power einem leider nicht garantieren, dass der Strom nicht doch hin und wieder ausfällt. Genauso wie an meinem Geburtstag ;-) Geendet hat er also mit romantischem Kerzenschein.

 Es war aber ein wirklich schöner Tag. Ich habe ausnahmsweise nur bis mittags gearbeitet und habe dann eine Runde durch nen Supermarkt und über den Massai-Markt gedreht. Anschließend traf ich mich mit Nadja und Lena auf nen „sweet-lassy“ beim Inder und danach sind wir ein bisschen shoppen gegangen. Da wir daraus den „Tag des Anprobierens“ gemacht haben, sind auch alle fündig geworden. Dank einer kleinen Finanzspritze von Oma und meiner Tante Margret habe ich mir auch mal was gegönnt. J Und abends gab es für mich ein leckeres Essen beim Inder, wo wir uns dann mit den anderen Freiwilligen getroffen haben. Die Clique, die sich hier so durch das Freiwilliger-Sein gebildet hat, gefällt mir echt gut. Ich habe eine Menge Spaß mit ihnen. Vielleicht auch schon an diesem Wochenende wieder. Mal sehen.

So nun genug von mir. Passt auf euch auf.

PS: Sowas passiert, wenn man mich bei Regen einsperrt ;-)


14.3.14 19:39

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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