Verrückte Wahrnehmung?

Momentan läuft mein Aufenthalt hier in Kenia tatsächlich sehr geregelt ab. Ich gehe brav arbeiten, erlebe keine Komplikationen bzgl. meines Visums und auch von Krankheiten werde ich derzeit nicht heimgesucht. Das heißt, ich befinde mich also tatsächlich voll und ganz im Alltagstrott. Und plötzlich überkommt mich hier eine Grundeinstellung oder ein Grundgefühl, was ich in diesem Ausmaß echt noch nicht kennen gelernt habe: Langeweile. Ja und ich weiß, ich bin selber schuld daran. Aber ich gehe jeden Tag zur Schule, sehen jeden Tag dieselben Leute, gehe am Wochenende mit diesen raus immer in die gleiche Bars und nach Feierabend hänge ich in unserer Wohnung und weiß nicht so recht was mit mir anzufangen. Vor allem hat sich in dieser Woche die Regenzeit in Kisumu ausgetobt, sodass wir auch des Öfteren mal kein Strom und zwei Tage lang auch kein Wasser hatten.

Also blieb mir an manchen Abenden nichts anders übrig als mich unter mein Mückennetz zu verkriechen, damit ich nicht zerstochen werde und einfach früh schlafen zu gehen. Zwei, drei Tage hat dieses Gefühl angehalten und dann hat es uns gereicht. Lena und ich wollten zumindest anfangen wieder ein bisschen was zu erleben. Also haben wir die beiden Freiwilligen in Kisii kontaktiert, ob wir sie von Donnerstag auf Freitag nicht besuchen könnten. Zum Glück waren die beiden voll spontan und haben uns herzlich aufgenommen.

Also haben wir uns am Donnerstag nach der Schule ein Matatu geschnappt, was uns für 300 KSH (ungefähr 2,60&euro innerhalb von zweieinhalb Stunden nach Kisii gebracht hat. Kisii ist etwas kleiner als Kisumu und irgendwie auch echt ein bisschen anders. Als wir ankamen waren wir etwas verwirrt. Die Matatustation war mitten auf dem Markt, wo man alles bekommt und irgendwie konnten wir da noch nicht so ganz überblicken, wo sich was befindet und wo wir hin müssen. Also haben wir uns erst einmal aus dem Trubel entfernt und uns in eine kleine Bar gesetzt und einen Instantkaffee geschlürft. Da der Laden eine Terrasse hatte, konnten wir die ganze Situation mal ein wenig von oben betrachten. Das tat uns und unserer Orientierung sehr gut.

Im Endeffekt ist es nämlich gar nicht mal so anders mit dem Markt, als in Kisumu. Dort wo die Busse und Matataus starten und enden ist es immer stressig, laut und voll. Das hatten wir nur etwas vergessen, weil wir diesen Ort in Kisumu eigentlich meiden;-) Und später waren wir dann mit Madleen und Sophia nochmal auf dem Markt und schon kam einem alles auf die kenianische Art und Weise vertraut und bekannt vor.

Da die beiden einen Backofen besitzen haben wir mit dem Gemüse, was wir auf dem Markt erstanden haben ein leckeres Kartoffelgratin mit kleinem Salat gezaubert. Außerdem gab es noch ein bisschen Rotwein. Also ein richtig feines Abendessen. Allerdings wollten die beiden uns noch weiter verwöhnen und haben ein richtiges Brot für uns gebacken. Das heißt, auch der Morgen begann ganz wundervoll in unserem kleinen „Luxushotel“ J

Die beiden Freiwilligen wohnen auch in einem Apartment, vergleichbar mit unserem. Sie haben eine kleine Küche, ein schönes Wohnzimmer und zwei Schlafzimmer (und sind auch immerhin nur zu zweit). Da in dieser Unterkunft schon einige andere Freiwillige gelebt haben, ist ihre Wohnung viel gemütlicher als unsere. Über die Jahre sammelt sich halt wirklich was an und die beiden leben nicht so sporadisch wie wir. Da überkam Lena und mich doch direkt wieder ein bisschen der Neid;-) Eine schöne gemütliche WG zu haben, ist schon was Feines. Aber in unserem trauten Heim fühle ich mich auch sehr wohl. Auch Lenas und mein Zimmer hat seinen eigenen Scharm ;-)

Am Freitagmorgen haben wir die beiden dann zu ihrer Schule begleitet. Sie arbeiten auch an einer Special School. Daher war es für uns beide besonders interessant. Allerdings fällt es mir bis heute schwer, unsere beiden Schulen zu vergleichen. Sie ist weder besser, noch schlechter, sondern einfach anders. Ich glaube, die Schülerinnen und Schüler sind im Schnitt jünger und ich glaube auch das Kollegium ist kleiner. Die Schule verfügt leider nicht über Workshops, so wie unsere, also Klassen, in denen die Kids etwas in eine Berufsrichtung erlernen. Dafür sind ihre Kinder im Allgemeinen viel öfter draußen. Das Schulgelände ist wirklich groß und hat ein tolles Sportfeld. Außerdem haben sie auch einen großen Gemüsegarten, da das Klima für jeglichen Pflanzen in Kisii viel besser ist als bei uns. Daher haben Madleen und Sophia auch die Projekte ihrer Vorgänger übernommen, bzw. erweitert und kümmern sich nun täglich über mehr als 100 Bananenbäume, jede Menge Skumapflanzen und auch Tomaten haben sie neu gezüchtet. Ein Teil der Ernte geht in die eigene Küche, der Rest wird verkauft, sodass sie von dem Geld wieder neue Projekte initiieren, Dünger oder sonstiges Material kaufen können.


Auch wir haben unseren Schulmorgen im Garten begonnen. Es hieß Unkraut raus und Tomatenpflanzen düngen. J Nachdem wir uns warm gearbeitet hatten, denn auch in Kisii kann es trotz der leichten Windbrise schön warm werden, gab es Tee im Lehrerzimmer.

Bis zur Tea-Break waren ungefähr zehn Lehrer eingetroffen. Das ist wieder ein Unterschied zu unserer Schule. Bei uns ist das Kollegium meisten nach der halbstündigen assembly vollzählig. Bei den beiden scheint das etwas anders zu sein. Morgens findet irgendwie nicht so richtig Unterricht statt.

Wie gesagt, dass Schulgelände ist sehr groß, also hat es einige Zeit gedauert bis uns die beiden alles gezeigt hatten. Wir waren noch in ihrem Büro, den Schlafräumen, der Essenshalle, den Klassenräumen, dem Physioraum und im Kuhstall.

Das Schülgelände

Madleen uns Sophia haben die Wände in den Schlafräume verschönert. (wenn es klappt, mächten wir es ihnen auch gerne nachmachen ;-) )

Die Schule ist wirklich süß und auch die Kinder haben uns direkt voller Freude aufgenommen. Das war echt ein schönes Gefühl.


Zum Mittag sind wir dann wieder in die Stadt gefahren. Dort haben wir dann etwas gegessen und Lena und ich haben uns anschließend ein Matatu zurück nach Kisumu gesucht. Wir waren echt froh, dass die beiden uns so herzlich bei sich aufgenommen haben. Sie werden bestimmt auch bald nochmal in Kisumu vorbeischauen.

Das war immerhin mal ein kleiner Ausflug aus dem gewohnten Tagesablauf. Ja ich weiß, das klingt für euch ziemlich unvorstellbar, dass ich mich hier langweile aber irgendwie weiß ich auch noch nicht so ganz wie ich das ändern kann. Ich glaube ich muss meinen Hintern einfach mal aus dem gemütlichen Korbsessel zwingen und mehr erleben wollen! Dann wird das bestimmt auch was!  Irgendwas muss ich noch finden, was mich wieder voll und ganz erfüllt. J Mal sehen, was mich da so überkommt. Ich glaube ich sollte nochmal wieder raus aus Kisumu. Zum Glück sind ja bald Ferien und dann schaffen wir es hoffentlich noch mehr von Kenia zu sehen. Das würde mich wirklich sehr freuen. Und danach bin ich bestimmt wieder froh zurück in Kisumu zu sein. Schließlich beginnt dann schon das letzte Drittel unserer Arbeitszeit, in der wir hoffentlich unsere letzten Projekte umsetzen können.

 

Tja was kann ich sonst noch so erzählen. Die Schulwoche war verwunderlicher weise so wie die letzten ;-). Aber diese Woche gab es für alles Kids neue Slippers („Reinschlüpfschuhe&ldquo

 

und außerdem haben zwei Klassen, die Fläche freigeräumt, wo das Hühnerhaus hinkommen soll. Das heißt so langsam nimmt doch alles seine Form an. Ich bin gespannt :-)

Zwei Klassen waren fleißig dabie, die Fläche von alten Platten, Pflanzen und Unkraut zu befreien.


Das Wochenende war aber eigentlich ganz cool. Am Sonntag waren wir noch einmal mit Irina, einer anderen Freiwilligen, an unserer Schule und was essen und auf dem Markt und kochen und und und…  Also haben wir den Sonntag voll und ganz ausgekostet J.

So ich hoffe, dass ich euch demnächst wieder von aufregenden Sachen erzählen kann;-) Außerdem habe ich jetzt tatsächlich Angst davor, dass ich hier sowie in Deutschland unzufrieden werde, sobald nichts Spannendes passiert. Aber ich habe auch schon mit den anderen darüber philosophiert. Zu Hause hatte ich verschiedene Freundeskreise, Sportvereine, eine Arbeit, verschiedene Uni-Veranstaltungen, habe hin und wieder Leute in anderen Städten besucht,… Naja und hier war ich die letzten Wochen tagtäglich von den gleichen Leuten umgeben und immer in derselben Stadt. Also ist die Schlussfolgerung daraus: „Schnapp dir in den Ferien deinen Rucksack und reise ein bisschen! Außerdem hocke nicht immer zu Hause, sondern schau dich mal um, was Kisumu noch so zu bieten hat!“

Also, ihr seht, ich werde mich ab jetzt wieder beschäftigen!

Liebste Grüße

carina

31.3.14 17:22

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Der Countdown läuft!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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