Der Countdown läuft!

Mein letzter Eintrag war einige Tage vor dem großangekündigten „Saba-Saba-Day“. Aber ich kann euch beruhigen. Bis auf ein paar Unruhen in Außenbezirken blieb es völlig ruhig und die Stadt war nach Aussagen von einer Freundin von uns gespenstisch leer. Besser so, als anders. ;-)

Die daran anschließende Woche war allerdings sehr ereignisreich. Tatsächlich besitzen wir jetzt Hühner, haben die Spielekiste aktiviert, fleißig mit unseren Lehrern genäht, ein Karussell reparieren lassen und last but not least sind „wir“ Weltmeister geworden. :-)

Unsere Schulleiterin hat es geschafft, an dem von ihr angesetzten Meeting zu erscheinen, sodass wir die letzten Ungereimtheiten bzgl. des Hühnerstalls klären konnten. Somit stand dem Einzug des Vogelviehs am Donnerstag nichts mehr im Wege. Es wurde ein großes Treffen mit allen Lehrer organisiert, in dem verkündet wurde, wer für die Tiere verantwortlich ist und wie man sich darum zu kümmern hat. Anschließend gingen wir alle zusammen zum Hühnerhaus und eine unserer Lehrerinnen, die uns die Hühner verkaufte, beauftragte die Schülerinnen und Schüler sie einzeln in das Haus zu tragen. Zuvor wurde aber noch gebetet, Fotos gemacht und es ganz feierlich eröffnet (Lena und ich durfte das schnell improvisierte Band vor der Tür durchschneiden).Es schienen sich wirklich alle sehr darüber zu freuen. Somit hoffen wir mal, dass es auch weiter läuft, wenn wir nicht mehr da sind. Lena und ich sind total positiv überrascht von dem Engagement des verantwortlichen Lehrers. Er hat noch einige einfache Verbesserungen des Stall unternommen, erscheint nun jeden Abend und jeden Morgen sowie am Wochenende an der Schule und führt brav Buch über jegliche Ausgaben und Einnahmen (bisher haben die Hühner erst um die 20 Eier gelegt, aber vielleicht kommt ja tatsächlich noch was rein;-) ). Außerdem bezeichnet er den Stall persönlich als „learning-center“  und bringt seine Schüler sehr gut in das Projekt ein. Wir sind wirklich sehr zufrieden mit ihm!

Die Kinder tragen die Hühner zum Stall

Der fertige Stall mit den zwei verantwortlichen LeherInnen.

Darüber hinaus hat inzwischen auch unser Nähworkshop stattgefunden. Zwar gab es zwischendurch ein paar Probleme (die Maschinen mussten repariert werden und es gab Absprachefehler mit der Schneiderin bzgl. der Termine) aber letzen Endes war sie viermal an unserer Schule und hat uns drei verschiedene Taschentypen gezeigt. Leider wurde der Kurs von Mal zu Mal immer schlechter besucht. Aber wir fingen auch mit rund 15-20 Lehrern an, sodass eine kleinere Runde auch schon von Vorteil war.

Es war wirklich schön zu sehen, wie die Lehrerinnen und Lehrer sich gegenseitig geholfen und wie sich schnell Teams gebildet haben, die zusammenarbeiteten.


Das Positive an der ganzen Sache ist, dass in den Pausen immer noch einige von ihnen nähen und dass auch schon Lehrerinnen begonnen haben, es ihren Schülerinnen und Schülern zu zeigen. Wir hoffen, dass sie die Geduld nicht verlieren und somit die Kids vielleicht bald ganz alleine kleine Handytaschen produzieren können. Mit etwas Glück lassen sich diese dann verkaufen und die Schule kann sich neue Materialien anschaffen. Das wäre perfekt. Aber mal abwarten wie es läuft. Wir haben in der letzten Zeit auf jeden Fall noch ein/zwei Äugelein darauf.

Unvorstellbarer weise konnte auch endlich der Spieleschrank geöffnet werden. ;-) Somit besitzt unsere Kisten nun einiges an Bällen, Seilchen, Schlägern, Friebes und sogar ein Schwungtuch. Wir öffnen sie nun immer in der Pause und eigentlich funktioniert es auch recht gut, dass alle ihre genutzten Spielsachen mit dem Klingeln eigenständig wieder zurück bringen. Wir versuchen gerade eine der Schülerinnen anzulernen, dass sie sich verantwortlich für die Kiste fühlt und sie diese immer öffnet und schließt, wenn sie von einem Lehrer den Auftrag dazu bekommt. Wenn das klappt, könnten wir hoffen, dass auch dies ohne uns weiterläuft.

Und noch was zum Thema Spielgeräte: Dank der Spenden war es uns möglich das zuvor reichlich genutzte Karussell für die Kinder reparieren zu lassen.  Nun drehen sie sich wieder voller Freude im Kreis. ;-)

Durch diese ganzen Veränderungen hatten wir auch tatsächlich die Woche danach noch genug zu tun, sodass uns nie langweilig wurde. Außerdem bekam ich Besuch von Isi Wördemann, einer Freundin aus Beelen. Sie macht momentan ein Praktikum in einem Kinderheim in Kakamega. Der Ort ist ungefähr zwei Stunden Fahrt von Kisumu entfernt. Sie und ihre „Mitstreiterinnen“ haben dann einen kurzen Wochenendbesuch in einer der schönsten Städte Kenias eingeschoben :P. Es war echt witzig mal wieder mit jemanden zu quatschen, den man von zu Hause kennt und der einem den neusten Tratsch berichten kann.

In den letzten Tagen/Wochen waren wir wirklich viel mit Arbeiten beschäftigt. Aber es hat Spaß gemacht und immerhin hatten wir etwas mehr Zeit für die Kinder. Ich hoffe, dass können wir in der nächsten und für uns letzten vollen Woche noch optimieren.

Ein kleines Highlight der vergangenen Tage war der Besuch einer Schülerin zu Hause. Dies hatte die Lehrerin organisiert, mit der wir immer die Mandazi backen. Es gab wohl Zeiten an der Schule, an denen das regelmäßig gemacht wurde, damit Eltern und Lehrer besprechen können, wie sie zusammen arbeiten und somit das Kind am besten fördern können. In letzter Zeit wurde das aber leider eher selten gemacht. Trotzdem hat sich Madame Miriam darum gekümmert, sodass wir zusammen mit einem anderem Lehrer und der Schülerin gegen Mittag zu ihre nach Hause gefahren sind. Dort wurde sich dann darüber ausgetauscht, wie sie sich in der Schule und zu Hause verhält, was ihre Aufgaben sind und wie sie sich in ihrer Klasse verbessert hat. Es war wirklich interessant, auch für uns. Nachdem das wichtige dann geklärt war, gab es leckeres Mittagessen, gekocht von der Mama. Mmmhhh… Die Schülerin berichtet noch heute jedem, dem sie begegnet, von unserem Besuch, wirklich sehr süß :-)

Da uns aber nicht nur in der Schule die Zeit davon rennt, sondern auch privat mussten wir es endlich mal auf die Reihe bekommen, die zwei Freiwilligen im Massai Dorf zu besuchen. Somit machten wir uns am 18.07. auf Richtung tansanische Grenze und nach einigen Stunden Fahrt kamen wir an:

Irgendwo im nirgendwo.

Die Jungs haben ein Haus auf dem Gelände ihrer Schule, an der sie arbeiten. Diese steht in einem kleinen Dorf, was wirklich nur wenige Einwohner hat.

Dorfmittelpunkt

Aber tatsächlich fängt es in letzter Zeit stark an sich zu vergrößern.

Da viele Grundstücke verkauft wurden, mussten viele LEute ihre Häuser verlassen. Somit zerfällt leider gerade das "traditionelle Dorf".

Es gibt einige Shops, an denen man so simple Sachen wie Brot, Butter, Klopapier, Tomaten,… bekommen kann. Für alles andere muss man in die nahgelegene Stadt fahren. Allerdings gibt es dort nicht so wie hier Matatus, die alle paar Minuten mal fahren, sondern man muss sich schon selber ein Gefährt organisieren. Mir hat es für ein Wochenende dort wirklich gut gefallen. Wir hatten die totale Entspannung. ;-) Einen Nachmittag sind wir mit den Jungs in die besagten Stadt einkaufen gefahren und am Sonntag haben wir eine kleine Führung durch das Dörfchen bekommen. Ansonsten haben wir auf dem Kohleherd gekocht, ein Lagerfeuer gemacht, gelesen, viel geschlafen, uns gesonnt, gequatscht und all solch tolle Dinge gemacht. Am Montag haben wir dann noch an der assembly der Schule teilgenommen. Hier ist wirklich das Ziel die Kinder irgendwie zu einem Abschluss zu bringen. Dadurch dass viele Schülerinnen und Schüler sitzen bleiben, entsteht eine große Alterspanne in den einzelnen Klassen.

Ich habe großen Respekt vor den beiden, die dort nun seit über 10 Monaten leben. Mir hat es wirklich gut gefallen, aber ich weiß nicht, ob ich es dort ein Jahr aushalten würde. Es sind nicht mal die Punkte, dass es nur ein Plumpsklo etwas entfernt vom Haus gibt, mit Kohle gekocht wird, Strom durch Solarzellen erzeugt oder unter einer Gießkanne geduscht wird (das macht tatsächlich SpaßJ ), damit konnte oder könnte ich mich wunderbar arrangieren.

  Haus

Klo

Es ist eher, dass ich immer nur alleine mit meinem Mitfreiwilligen bin, dass ich in dem Dorf nicht groß was machen kann. Man kann nicht mal eben auf nen Kaffee raus gehen. Es gibt auch sonst kaum Möglichkeiten, dass man sich irgendwie groß außerhalb des Hauses beschäftigen könnte. Von daher ist es richtig wichtig, dass man sich gut mit seinem Mitfreiwilligen versteht.

Andererseits öffnet dieser Mangel an außerhäuslichen Freizeitaktivitäten wieder neue Möglichkeiten. Die beiden spielen ein Instrument, lesen viele Bücher, bilden sich ungemein und (das wichtigste) haben natürlich enorm viel Zeit, die sie in ihr Projekt stecken können. Wahrscheinlich ist solch ein Projekt wirklich im Sinne eines Freiwilligendienstes. Man steht in wirklich guten Kontakt zu seinem kenianischen Umfeld und lernt sehr viel über die andere Kultur. Es ist auf jeden Fall eine Erfahrung wert und ich hoffe, dass es ihren Nachfolgern genauso gut gefällt, wie den beiden. Ich bin sehr sehr froh, dass wir es noch geschafft haben, sie zu besuchen. Es war ein tolles Wochenende.

 

Einer unserer Lehrer, der besonders für uns Freiwilligen verantwortlich ist, wollte uns schon seit längerem zum Essen einladen. Und gestern haben wir es endlich geschafft. Nach der Schule hat er uns mit zu sich nach Hause genommen. Ich finde es immer schwer einzuschätzen, was einen erwarten wird, weil man nie weiß, ob die Person ärmer oder reicher ist, ob es ihr schwer fällt andere Menschen einzuladen und wie sie überhaupt wohnt. Unser Lehrer hat allerdings ein sehr nettes Haus gebaut vor eineinhalb Jahren, was wirklich gut eingerichtet ist. Somit mussten wir uns keine Sorgen machen, dass er ein bisschen für uns in die Tasche gegriffen hat. Das macht so ein Treffen doch immer direkt entspannter. Vor dem Abendessen hat er uns noch auf einen Berg in Kisumu gefahren, von dem aus man die ganze Stadt überblicken kann.

 

Zu Beginn unseres FW-Dienstes waren wir ja bereits einmal klettern und konnten den Lake Viktoria von oben sehen. Dieses Mal hatten wir aber einen Blick von der anderen Seite. Das war echt cool. Man konnte richtig weit auf den See hinaus gucken. Gegen sechs Uhr gab es dann bereits ein leckeres Abendessen. Seine „Lebensgefährtin“ hat uns echt herzlich empfangen. Vor allem wurde durch sie die Atmosphäre sehr entspannend, weil sie einen guten Humor hat und sich nicht (wie so viele Frauen hier) von ihrem Mann unterbuttern lässt. Sie kann auch schon recht gut ihre Meinung vertreten ;-). Zu essen gab es wie immer viele Kohlenhydrate:  Reis mit Ugali und Kartoffelbrei und dazu Blumenkohl, Fisch und Erbsen-Möhre-Kartoffel-Gemüse! J Aber es war wirklich sehr lecker. Und zum Nachttisch einen hervorragenden Obstsalat. Also alles fast (!) wie bei Mutti. Nachdem wir als Dankeschön ein paar deutsche Süßigkeiten da gelassen haben wurden wir sogar netterweise zurück bis in die Stadt gefahren, damit wir nicht von außerhalb ein Matatu nehmen mussten. Anfangs wusste ich noch nicht, ob ich mich auf die Einladung freuen sollte oder ob es eher so ein Pflichtbesuch werden würde. Aber ich muss sagen, es war wirklich ein netter Abend.

Da wir leider nur noch eine Woche und zwei Tage an unserer Schule sind, bis sie für die Ferien schließt (:-( :-( :-( :-( ) verbringen wir viel Zeit damit unseren Abschied zu organisieren. Wir haben für die Kids T-Shirts bestellt auf die wir den Namen des einzelnen Kindes schreiben und einen Handabdruck machen wollen. Außerdem bekommt jeder Schüler/Lehrer und jede Schülerin/Lehrerin eine Karte mit einem Foto von sich selber geschenkt. Hier ist es nämlich leider nicht üblich, dass die Eltern viele Bilder von ihren Kindern besitzen. Entweder haben sie nicht die Möglichkeit sie zu drucken oder aber sie besitzen gar keine Kamera. Von daher hoffen wir, dass sie sich sehr darüber freuen werden. Das bedeutet für Lena und mich nur: Basteln, basteln, basteln und nebenbei noch ein paar Taschen nähen. Bis zum 05./06.08. sind wir auf jeden Fall bestens beschäftigt. Hinzu kommt noch, dass wir am Montag (hoffentlich) umziehen werden. Wie ich ja bereits geschrieben hatte, bekommen wir alle zusammen nur zwei anstatt vier Nachfolger. Von daher ist unsere derzeitige Wohnung für die nächste Generation zu teuer. Da wir nicht wollen, dass sie wieder so weit außerhalb wohnen, so wie wir zu Anfang, haben wir inzwischen eine Wohnung gesucht und gefunden. Und am Montag können wir hoffentlich rein. Wie gesagt, ich freue mich schon sehr nochmal anders zu wohnen. Aber für uns vier wird es natürlich etwas eng. Allerdings werde ich die anderen drei am 10.08. auch schon verlassen, da ich mit Simone reisen werde. Und wenn ich dann von unserer Tour wiederkomme, sind die anderen bereits in Deutschland. Also wird das platzmäßig schon alles irgendwie hinhauen;-)

So nun werden wir fleißig kreativ sein und zur Belohnung gibt es später einen RICHTIGEN Kaffee im Java House (ein richtig gutes (Weißen-) Café.

Ihr hört von mir,

Carina

25.7.14 14:09

Letzte Einträge: TAAAADAAAA!, Neue Wohnung – Neues Glück, Danke!, Und zu guter Letzt: Auf nach Sansibar

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